
Nach drei Tagen Orkney Islands und vier Tagen Stirling und Loch Lomond hielt die letzt Ferienwoche einen Ausflug nach Edinburgh, der Hauptstadt Schottlands für uns bereit. Am Dienstag Morgen weckte und der Wecker kurz nach sechs, wir schmierten uns ein paar Sandwichs und machten uns auf zur Busstation. Da eine Zugfahrt nach Edinburgh ein Vermögen kostet fuhren wir mit Megabus, einer Billigbusgesellschaft, die vor allem bei der Beinfreiheit und der Toilettengrösse spart. Dreieinhalb Stunden später krochen wir aus den Sitzen hervor und traten aus dem Bus hinaus in ein sonniges, warmes Edinburgh. Nachdem wir im Hostel zu neunt ein Zwölferzimmer bezogen machten wir uns zu einer ersten Erkundung auf.

Das erste Ziel war Arthur's Seat, ein beachtlicher Hügel in der Mitte Edinburghs. Ich hatte ihn mit Sandra schon bestiegen, als sie mich besuchen kam, weshalb ich allen die Aussicht empfahl und sie zum Aufstieg ermutigte. Es war auch wirklich ein Aufstieg, kein Spaziergang. Auf dem Gipfel waren wir einem Wind ausgesetzt, der einem Rückwärts stolpern ließ und man musste aufpassen, dass man nicht fiel und auf den Felsen aufschlug. Dennoch fanden alle trotz ihrer Erschöpfung, dass sich der Aufstieg gelohnt hatte. Am Fuss des Hügels angekommen waren wir schon fast reif fürs Abendessen. Dieses fand jedoch nicht statt, da wir auf dem Weg nach Hause zufällig an einem Falafelstand vorbeikamen und der Versuchung nicht widerstehen konnten, uns damit vollzustopfen. Danach schlenderten wir glücklich nach Hause und genossen die Aussicht auf die Stadt.

Für mich war nach unserer Rückkehr ins Hostel das erste, meine Kontaktlinsen zu entfernen. Meine Brille war noch immer kaputt und die neuen aus der Schweiz noch nicht angekommen. Danach wurde erst mal eine Weile geschlafen, da wir später planten, an ein Konzert zu gehen. Der Plan wurde zwar auch umgesetzt, aber Alessandro und ich, der ich zudem ohne Linsen blind war, schliefen auf unseren Stühlen ein, so dass wir den Ausgang wegen Erschöpfung abbrechen und uns nach Hause begeben mussten.
Mit neuer Energie bestiegen wir am nächsten Morgen das Schloss. Der übertriebene Eintrittspreis und die kilometerlange Schlage hielt allerdings die meisten von uns davon ab, hinein zu gehen, so dass wir uns trennten. Nach ein wenig Shopping gingen Henriikka und allein in den nächsten Pizza Hut und verputzten je 9 Stücke Pizza. Danach liessen wir uns von den Pizza Hut Angestellten zur National Gallery rollen wo wir mit Carmina und Elisa die recht anständige Sammlung inklusive Rafael und Botticelli bewunderten. Während Kunstmuseumsbesuche meistens sehr ernst sind war die Begleitung von Henriikka ein wahrer Segen. Immer wieder mussten wir uns bei ihren unverklärten Kommentaren das Lachen verkneifen.

Deborah, warm eingepackt
Zum Abendessen gab es Couscous und Gemüse und spanischen Wein, den Freunde von Carmina, die zufällig ebenfalls in Edinburgh waren, mitgebracht haben. Danach gingen wir erneut früh ins Bett – nach einem achtstündigen Spaziergang ist das durchaus gerechtfertigt. Am dritten Tag stand das Royal Museum of Scotland und ein Mittagessen in einem chinesischen Buffetrestaurant auf dem Programm. Das Museum erwies sich jedoch als zu gross, als dass wir es vor dem Lunch ganz hätten durchkämen können, und so verliessen wir es vorzeitig und nahmen im überfüllten Jimmy Chung Platz. Für knapp 15 Franken konnte man so viel essen wie man wollte. Natürlich überassen wir uns alle hoffnungslos, so dass wir kaum noch laufen konnten. Deborah (Malaysia) war jedoch glücklich wie nie zuvor, da sie seit Monaten wieder etwas zu essen bekam, das anständig gewürzt war.
Danach stand erneut shoppen auf dem Programm, und zwar Hüte. In einer guten Stunde kauften Anna Lisa, Lorena (eine Freundin von Elisa, die auf Besuch war), Deborah und ich den Hut unseres Lebens. Selbstverständlich musste dieses Ereignisse mit zahlreichen coolen Fotos gefeiert werden.


Stolz auf unseren Kauf kehrten wir in einer Chocolat Soup Bar ein, wo man verschiedenste Heisse Schoggis bekommen konnte, sowie eben Schokoladensuppe. Schokoladensuppe bekommt man, wenn man ein paar Tropfen heisse Milch mit einer Tasse voller Kakaopulver mischt. Mmmm.

Danach gingen wir zum Hostel zurück und alle außer ich packten ihre Sachen. Ich begleitete sie zur Busstation, sagte auf Wiedersehen und kehrte zum Hostel zurück, wo ich eine Nacht allein mit meinem neuen Hut verbrachte.
Am nächsten Morgen kam Steffi, eine Mitstudentin aus Bern, die momentan ebenfalls ihren Auslandaufenthalt absolviert, nach Edinburgh. Wir bezogen ein neues Hostel, das sich als eines der schönsten und familiärsten in Edinburgh herausstellte. Es hatte einen Wintergarten, in dem wir drei wunderschöne Morgen frühstückten, sowie einen kleinen Hinterhof, wo man sitzen konnte.

Nachdem wir es am ersten Tag nur bis in den wunderschönen botanischen Garten schafften machten wir am Ostersamstag einen Ausflug nach Rosslyn Chapel, einer kleinen aber nicht zuletzt durch den Da Vinci Code sehr berühmte Kirche südlich von Edinburgh. Wie wir aber feststellen mussten hat Dan Browns Bestseller der Kirche nicht gut getan. Das kleine Dorf Rosslyn befindet sich im Da Vinci Code Fieber. Das Restaurant wurde kurzerhand in das Da Vinci Restaurant umbenannt und der Eintritt in die Kirche kostete satte 15 Franken. Wenn man dafür wenigstens eine schöne Kirche hätte wäre es ja noch okay gewesen, aber die Rosslyn Chapel stand unter einem Baugerüst und einem Blechdach.

Von innen war die Kirche zwar durchaus beschaulich, allerdings konnte man sich in den vielen Touristen kaum bewegen. Der Kellerraum, unter dem angeblich etwas verborgen sein soll, dass nicht ausgegraben werden darf, war reichlich unspektakulär, so dass wir mit einigen schönen Eindrücke der Steinskulpturen in den Wänden und Decken sowie den Kirchenfenstern Rosslyn Chapel 15 Franken ärmer wieder verliessen.

Ostern und Ostermontag verbrachten wir in Museen und Parks und kurz vor dem Antreten der Heimreise nochmals im chinesischen Restaurant. Als letztes besuchten wir die St. Giles Kathedrale, in der ich mein Talent als Kirchenfensterfotograph testete. Ich glaub, ich wäre ziemlich geeignet.

Die drei Stunden Heimfahrt waren optisch so ziemlich meine schönsten drei Stunden Schottland. Der Megabus fuhr durch einen wunderschönen Sonnenuntergang, durch einen herrlichen schottischen Frühling. Zu eurem Pech war mein Fotoapparat zuunterst in meinem Rucksack, und der war im Gepäckraum des Busses.