The Highland Exile

Von den Abenteuern des jungen Lukas, welchen sein akademisches Schicksal nach Schottland verbannte, wo er von Leidensgenossen umgeben unerwartete Blüten trieb.

Montag, April 03, 2006

Dorthin und wieder zurück - The Orkney Islands

Innerhalb von 48 Stunden leerten sich die Hillhead Halls of Residence praktisch ganz. Die schottischen Studenten packten ihre sieben Sachen und fuhren für drei Wochen zu ihren Eltern nach Hause, während wie Erasmus-Studenten unsere Rucksäcke mit einem Schlafsack und so vielen Kleidern wie eben mal Platz hatten stopften. Ich hatte leider weder Schlafsack noch Rucksack und musste mir beides für teures Geld besorgen. Der Rucksack war zudem ziemlich klein, so dass ich beschliessen musste, mich eine gute Woche nicht zu rasieren und nur eine von fünf Lindt-Schoggis mitzunehmen.



Vor der Abreise mischte ich die letzten meiner Reste aus dem Kühlschrank zu einigen Omeletten zusammen, die wir hinunterschlangen und danach schnell fertig packten. Die Fähre sollte um 1700 losfahren, doch kaum am Hafen angekommen wurden wir informiert, dass 8 Meter hohe Wellen auf dem Meer die Fahrt verzögerten. Also warteten wir 5 Stunden auf der stehenden Fähre, was allerdings nicht schwierig war. Es gab Shops, ein Restaurant, eine Bar und vieles mehr: ich habe noch nie ein luxuriöseres Schiff gesehen. Als die Fähre dann kurz vor 2200 losfuhr brach die Seekrankheit aus. Ich war als einer der wenigen nicht betroffen und mampfte fröhlich meine Lindt-Schoggi.



Um 6 Uhr morgens machten wir uns bei Regen und kalten Wind auf den Weg zu unserem Hostel. Wir, das waren übrigens nicht weniger als 67 Studenten, und das Hostel hatten wir gleich ganz gemietet. Nach zwei Stunden Schlaf ging es auf Stadtbesichtigung und den ersten Ausflug. Dieser führte uns nach Skara Brae, einem steinzeitlichen Dorf, das älter als die Pyramiden und die chinesische Mauer ist. War allerdings auch viel langweiliger als diese und der darauf folgende Spaziergang auf den Klippen war wesentlich spassiger.



Als wir schliesslich umkehren und uns auf die Suche nach der Bushaltestelle machten – die Busfahrerin, die uns hergebracht hatte, schätze den Weg dorthin auf 15 Minuten – kam sogar die Sonne zum Vorschein. Nicht zum Vorschein kam die Bushaltestelle, auch nicht nach 45 Minuten. Zwei uns entgegenkommende Spaziergänger meinten, es sei noch mindestens eine Stunde, aber da hatten wir den Bus eh schon verpasst. Einzige Lösung: Wir liessen für 170 Franken einen Bus extra für uns kommen der uns in die Stadt chauffierte. Da wir 28 Leute waren teilte es sich aber gut auf. Belohnt wurden wir für die Mühen mit einem herrlichen Abendessen, dass die anderen im Hostel für uns bereit hielten.



Der zweite, wolkenbehangene Tag führte uns zum 'Ring of Stones' einem Art Übungsgelände für Stonehenge. Daneben die zweite steinzeitliche Siedlung, auf der man herumtrampeln konnte. Nach einer Stunde starteten Fabio (lustiger Italiener), Melanie (nette Französin), Elisa (meine Lieblingsspanierin) ein Soloprojekt: wir machten uns auf eine 6stündige Wanderung auf, die uns zu berühmten Klippen an der Westküste führen sollten und danach auf einem Pfad über den Klippen nach der zweitgrössten Stadt der Orkneys, Stromness. Auf bequemen Landstrassen einem See entlang erreichten wir die Klippen, die wirklich ziemlich eindrücklich waren.



Trotz starkem Wind, frechen Möwen und meiner Angst, jemand könnte runterfallen, liessen wir es uns nicht nehmen auf den Klippen zu picknicken, allerdings eher hastig, da wir Angst hatten, sonst den Bus in Stromness zu verpassen, der um 6.45 dort abfahren würde.



Die nächste Stunde war vielleicht die schönste der Wanderung, entlang den Klippen auf einem schmalen Pfad, abseits von jedem Zeichen von Zivilisation. Zwar war der Boden nass und voller Schafhäufchen aber die Aussicht war atemberaubend. Die Wolken in der Ferne machten uns wenig Sorgen und wir waren sicher, rechtzeitig in Stromness anzukommen.



Doch dann, zwei Stunden vor Abfahrt des Busses, nahm die Bodenfeuchtigkeit immer mehr zu und wir balancierten einen riesigen Sumpf auf etwas zu, dass wie ein Weg aussah. Dummerweise war es ein Bach der zudem auch noch mit Stacheldraht eingezäunt war, so dass wir zurück mussten. Wenige Minuten später standen wir mitten im nässesten Sumpf und unsere Schuhe sogen sich mit braunem, lehmigem Wasser voll. Auch die Orientierung hatten wir so ziemlich verloren und so einigten wir uns, den nächsten Hügel zu erklimmen um uns zu orientieren.



Oben angekommen die grosse Erleichterung: ein nahe Strasse, die zurück in die Zivilisation führte. Wir hatten noch eine Stunde und wussten nicht wo Stromness war, also klopften wir an eine Haustür und fragten nach. 15 Minuten der Strasse entlang war die Antwort und böse Erinnerungen wurden wach. Doch der gute Orcadier (so nennen die sich) entschloss sich uns hinzufahren. Was wirklich ein Glück war, denn erneut hätten wir die 15 Minuten wohl in einer Stunde kaum geschafft. Kaum im Bus zurück zum Hostel sitzend wurde der müde Lukas krank und verbrachte den Rest des Abends mit Fieber im Bett.



Der nächste Morgen war geprägt von einem Neuankömmling auf den Inseln: der Sonne. Die Orkney Islands erstrahlten golden – und ich war krank. Die Lösung war jedoch sehr einfach: wir mieteten ein Auto und erkundeten die Insel auf vier Rädern.



Vielleicht die beste Idee die wir je hatten, denn so erreichten wir viele schöne Örtchen, die wir per Bus nie erreicht hätten. Wir besuchten ein Vogelreservat, eine Leuchtturminsel und eine Schlossruine und machten viele Fotos von der atemberaubenden Landschaft.



Mit dabei waren Fahrer Rael (ein temperamentvoller Spanier), Kartenleserin Henriikka (Finnin mit dem Gesicht eines süssen Fischleins), Fotografin Deborah (herzlich-zynische Malaysierin), die müde Lucia (Tschechien) und die klippenvernarrte Elisa.



Dann ging es zum Hostel, dass wir gründlich putzten und dafür vom Besitzer herzlich gelobt wurden. Die Fähre war pünktlich und glitt über Nacht sanft an die schottischen Gestaden zurück, wo wir totmüde ein Taxi nahmen und in unsere Betten fielen – mit lehmverschmierten Hosen, nach Morast stinkenen Schuhen, aber überglücklich.

1 Comments:

At 8:36 PM, Anonymous Anonym said...

Las ovejitas durmientes

 

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