The Highland Exile

Von den Abenteuern des jungen Lukas, welchen sein akademisches Schicksal nach Schottland verbannte, wo er von Leidensgenossen umgeben unerwartete Blüten trieb.

Sonntag, Mai 07, 2006

En medio de la nada – Wandern in Braemar

Nach den drei Ferienreisen dauerte es ganze drei Wochen bis mein Unternehmungsgeist wieder etwas erwacht war. Als uns dann ein verlängertes Wochenende entgegenwinkte entschlossen Melanie, Elisa und ich, zum Loch Nagar zu wandern, das in dem Tal lag, das mein Mami mich bei jedem Telefonat zu besuchen drängt. Also machten wir uns am Samstag morgen kurz vor acht zu dritt – sonst wollte niemand mitkommen – nach Ballater auf, dem Ort, von wo man zum Loch Nagar wandern konnte, einem kleinen Bergsee auf fast 1200 Meter, was für Schottland sehr hoch ist.



Allerdings hatten wir uns denkbar schlecht auf die Reise vorbereitet und befanden uns nach zwei Stunden Busfahrt plötzlich in Braemar, der Endstation. Auf der Touristeninformation sagte man uns, dass es von hier ohne Bus kaum in einem Tag zu schaffen sei, zum Loch Nagar aufzusteigen, wo es übrigens auch noch immer Schnee hatte. So planten wir um und begaben uns auf eine sechsstündige Wanderung auf einen Berggipfel (okay, Hügelgipfel...) und einem anderen Bergsee. Der erste Teil führte auf wunderschönen Pfaden durch ein Hirschreservat – einen Hirsch sahen wir aber leider nicht. Nach knapp zwei Stunden Aufstieg erreichten wir den Gipfel und packten gleich unseren Lunch aus.



Ich hatte ganz vergessen wie gut ein Wanderpicknick schmeckt. Ich hatte eigenes Brot und einen Kuchen gebacken, dazu gab es Houmous, getrocknete Tomaten an Olivenöl, Reis in Weinblättern und Früchte. Dazu konnten wir eine herrliche Aussicht geniessen, die auf dem Foto nur halb so toll aussieht, wie sie war.



Während wir beim Aufstieg Jacken und Pullover im Rucksack verstaut und geschwitzt hatten zwang uns der typisch schottische Hochgeschwindigkeitswind auf dem Gipfel uns warm einzupacken und so weiterzugehen. Der nächste Abschnitt führte uns dann auch erstmals zu einigen Schneeresten.



Der Abstieg ins Tal führte durch eine sehr karge Highland-Landschaft mit niedrigem Gebüsch und Steinen. Etwas trostlos und wenig abwechslungsreich, dafür aber immer noch mit einer herrlichen Aussicht und viel Sonne.



Im Tal angekommen verstauten wir Jacken und Pullover erneut in den Rucksäcken und überquerten ein paar Schafweiden und einen Fluss, um an den Ausgangspunkt des zweiten Teils der Reise zu kommen; dem Weg einem Fluss entlang ein Seitental hinauf zum Bergsee. Obwohl wir etwas knapp in der Zeit waren konnten wir nicht widerstehen, unsere Füsse kurz im Fluss zu baden um sie etwas abzukühlen.



Nach dem kalten Fussbad gingen wir mit etwas schnelleren Schritten voran, da wir den See unbedingt sehen wollten, bevor wir zurückkehren mussten. Unser Bus fuhr um sieben und so berechneten wir immer wieder den Rückweg. Am See gönnten wir uns fünf Minuten, danach ging es dem schönen Fluss entlang Braemar zu. Da unsere Beine beinahe zusammensackten versuchten wir es mit Autostopp, aber kein schottisches Fahrzeug war gewillt, drei erschöpfte Wanderer mitzunehmen. So kamen wir nach über sieben Stunden mit heraushängender Zunge an der Busstation an und liessen uns in die Sitze plumpsen. Wir waren zwar halb tot aber überglücklich, da der Ausflug einer der besten während unseres Aufenthaltes war.



In Aberdeen macht sich der Sommer übrigens langsam bemerkbar. Bei einem Spaziergang am Strand wurde es immerhin so warm, damit dies möglich war:



Allerdings nicht allzu lange. Die Realität sah aber nicht viel anders aus; für gemütliches Freiluftlesen war es allemal warm genug.



Mehr Fotos vom Frühling in Aberdeen in Kürze.