The Highland Exile

Von den Abenteuern des jungen Lukas, welchen sein akademisches Schicksal nach Schottland verbannte, wo er von Leidensgenossen umgeben unerwartete Blüten trieb.

Sonntag, April 09, 2006

Erster Flirt mit den Highlands – Stirling und Loch Lomond

Der Trip der zweiten Ferienwoche führte mich und elf Erasmusgenossen in die kleine Stadt Stirling und an den Rand des Nationalparks am Loch Lomond, einem See zwischen den Highlands und den Lowlands. Der Morgen der Abreise begrüsste uns mit Schneeschauern (es war der 4. April), die jedoch bald der Sonne platz machten, so dass wir eine traumhafte Zugfahrt genossen und bei schönstem Frühlingswetter in Stirling ankamen.



Im Hostel wurden wir brav nach Männlein und Weiblein auf die Zimmer aufgeteilt, wonach wir uns ohne zu Zögern zum Wahrzeichen des Städtchens aufmachten: dem Schloss. Wie nicht anders zu vermuten war hatte das Herumschlendern im Wahrzeichen auch seinen Preis (20 Franken nur für den Eintritt).



Obwohl das Schloss durchaus seinen Reiz hatte war mein Bedürfnis nach einem Kaffee bald stärker als das Bedürfnis mehr über die reizenden Ex-Bewohner dieser steinernen Mauern zu erfahren, und so schnappte ich mir Deborah (die immer, aber auch immer für Restaurants zu haben ist) und setzte mich ihr gegenüber an einen Tisch, zwischen uns zwei Cappuccinos. Um uns die Zeit zu vertreiben fingen wir schon bald an, zahllose Fotos mit den Holzlöffelchen zu mache, die man uns zum Umrühren des Cappuccinos mitgegeben hatte.



Irgendwann hatten dann nicht nur wir sondern auch alle anderen vom Stirling Castle genug und wir machten uns nach der zweiten großen Sehenswürdigkeit auf, dem William Wallace Monument (William Wallace ist der Typ aus "Braveheart", der Willhelm Tell Schottlands). Für die Besteigung des Monuments wollte man uns allerdings nochmals 12 Franken abknöpfen und so beschlossen Deborah und ich uns für dieses Geld lieber im Café umzusehen. Das Monument war von außer eindrücklich genug.



Kaffee und Kuchen vermochten unseren wachsenden Hunger allerdings kaum zu stillen und so machten wir uns auf um zu zwölft einen grösseren Einkauf im Tesco zu tätigen. Meinem guten Ruf als Koch hatte ich es zu verdanken dass mir das Zubereiten der Bolognese-Sauce anvertraut wurde. Nachdem ich den Kauf von Biohackfleisch durchgesetzt hatte (was damit gelang, dass ich es bezahlte...) und wir den halben Tesco leer gekauften hatten schleppten wir uns mit letzter Kraft den Hügel hoch in die Hostelküche. Elisas Vegisauce stellte sich als wesentlich besser heraus als meine Bolognese, aber das merkte glücklicherweise niemand, da nur Elisa, Deborah und ich davon assen.



Nach einer Nacht erholsamsten Schlafes erkundeten wir das Städtchen und gaben uns den Shopping-Möglichkeiten hin. Kurz nach Mittag brachte uns ein Bus über Glasgow nach Balloch, einem kleinen Städtchen am Loch Lomond. Unser Hostel befand sich etwas ausserhalb des Städtchens – verständlich, denn es war ein kleines Schloss und vielleicht das zumindest von aussen schönste Hostel Schottlands.



Um die Gegend zu erkunden war es zu spät, nicht jedoch um einzukaufen. Da wir genug Zeit hatten ersann ich mir eine irrwitzige Herausforderung: ich wollte Pizza für vierzehn Leute backen (mein Mitbewohner Jonathan und ein Freund waren in Glasgow zu uns gestossen). Pizza zu machen ist an sich kein Problem, aber wenn man nicht weiß, ob die Küche, in der man sie zubereitet Ofenbleche hat und wenn man Teig und Belag für vierzehn ausgehungerte Erasmusmäuler berechnen muss, sieht das etwas anders aus. Ich nahm die Herausforderung an, wir kauften ein und stellten bei unserer Rückkehr ins Hostel fest, dass dieses durchaus rote Teppiche auf den Treppen aber tatsächlich keine Ofenbleche hatte. So backten wir Pizzas auf Servierplatten, Gratinformen und Tellern. Wider Erwarten waren die meisten der 14 (!) Pizzas erstaunlich gut.



Nach einem gemütlichen Abend geprägt von allgemeiner Müdigkeit zogen wir uns in unsere Gemächer zurück. Kurz davor jedoch ließ es sich Ben nicht nehmen auf meine am Boden liegende Brille zu trampeln und deren Gestell irreparabel zu zerstören. So begann ich den nächsten Morgen blind und begab mich nicht wie die anderen auf einen Spaziergang durch die Highlands, sondern in die nächste Ortschaft zu einem Optiker. Einmal mehr hatte Elisa Erbarmen mit mir und begleitete mich als Sehhilfe, die ich doch ziemlich nötig hatte. Allerdings konnte keiner der beiden Optiker weder meine Brille zusammenbasteln noch mir Kontaktlinsen verkaufen, und so machte ich mich mit meiner Blindenhündin auf die anderen zu suchen.



Diese genossen unterdessen eine wunderbare Aussicht auf den See, die darauf verstreuten Inseln und das Herz von Schottlands Hochland.



Sie einzuholen war nicht mehr möglich, also begaben Elisa und ich uns auf einen Egotrip entlang den Gestaden des Lochs. Nach einigen ersten Minuten beissender Kälte und nervendem Regen lichteten sich die Wolken und der Frühling kehrte am Strand ein, einzig unterbrochen von kurzen starken Hagelschauern. Wir genossen zwar nicht die Aussicht der anderen, genossen die Sonne und unser Picknick aber ebenso.



Nachdem ich zwei Abende in der Küche gestanden hatte wurde mir erlaubt mich auszuruhen. Wahrscheinlich hätte ich ohne Brille den Reis und den Gemüseeintopf sowieso versalzen. Am nächsten Morgen traten wir schliesslich wehmütig den Rücktritt an und erreichten Aberdeen bei herrlichem Sonnenuntergang. Ich bin allerdings ziemlich zuversichtlich, dass ich nicht zum letzten Mal am Loch Lomond war – zu schön war der schmale Pfad durch den Pfad am Ufer entlang, zu verlockend die Fotos der Hügelbesteiger. Eine andere schöne Erinnerung an den Trip darf jedoch nicht vergessen werden und deshalb sei ihr das letzte Foto gewidmet. Carmina schleppte nämlich nicht nur sich und ihren Rucksack nach Stirling und Balloch, sondern auch ihre Gitarre, mit welcher sie uns drei Abende unterhielt.

1 Comments:

At 3:32 PM, Anonymous Anonym said...

wunderschöne photos (auch trotz seh-verhinderung..!)
sehr gelungen. und kompliment zur pizza, das kann nur lukas!
gruss und bis bald in edinburgh!

 

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